Klassische Modelle: Wasserfall, V-Modell XT, Spiralmodell
Dieser Beitrag ist eine Begriffserklärung zu klassischen Vorgehensmodellen – inklusive Prüfungsfragen, Kernkomponenten und Tags.
In a Nutshell
- Wasserfall und V‑Modell XT sind plangetrieben und artefaktfokussiert.
- Spiralmodell ist risikogetrieben und iterativ: jede Schleife reduziert Unsicherheit über Risikoanalyse + Prototypen.
Kompakte Fachbeschreibung
Wasserfallmodell
Sequenzielle Phasen:
- Analyse
- Entwurf
- Implementierung
- Test
- Betrieb
Stark dokumentationslastig, Feedback eher spät.
V-Modell XT
Das V koppelt Spezifikationen (linke Seite) mit korrespondierenden Teststufen (rechte Seite):
- Feinentwurf ↔ Modultest
- Architektur/Komponenten ↔ Integrationstest
- Systemanforderungen ↔ Systemtest
- Benutzer-/Kundenanforderungen ↔ Abnahmetest
Kernpunkt: Tailoring (projektindividuelle Anpassung von Rollen/Produkten) muss begründet und dokumentiert sein.
Spiralmodell
Risikogetrieben: Jeder Zyklus umfasst Ziele → Risiken → Prototyp/Evaluation → Planung. Ergebnis ist ein inkrementell verfeinertes Produkt mit aktiv gemanagten Risiken.
Prüfungsrelevante Stichpunkte
- Wasserfall: Änderungen spät teuer
- V‑Modell XT: Testzuordnung + Nachweisführung (IHK-klassiker)
- Tailoring: Pflicht im V‑Modell XT
- Spiralmodell: Risikoanalyse pro Zyklus, Prototypen als Kern
- Artefaktkette: Anforderung → Design → Test (Traceability)
- Gate-Reviews + Abnahmen
Kernkomponenten
- Phasen (Wasserfall)
- Produkthierarchie (V‑Modell XT)
- Teststufen-Mapping im V
- Tailoring-Leitfaden
- Governance (Gates/Meilensteine)
- Risikoanalyse (Spiral)
- Prototypenarten (Machbarkeit/Architektur/UI)
- Planungsartefakte (Projekt-/Qualitäts-/Testplan)
- Traceability
- Änderungsmanagement (Change Requests)
Praxisbeispiel (kurz)
Fachverfahren im öffentlichen Sektor mit externer Schnittstelle
Wasserfall:
- Pflichtenheft -> Entwurf -> Implementierung -> Test -> Abnahme
V-Modell XT:
- Spezifikationen links
- Tests rechts (Modul/Integration/System/Abnahme)
- Tailoringdokument (z.B. keine Hardwareprodukte)
Spiral:
- Zyklus 1: Integrationsrisiko -> Lasttest-Prototyp
- Zyklus 2: OAuth-Risiko -> Auth-Prototyp
Vorteile und Nachteile
Wasserfall
- Vorteile: einfache Planung, klare Übergaben
- Nachteile: spätes Feedback, hohe Änderungskosten
V-Modell XT
- Vorteile: hohe Nachweisfähigkeit, klare Testzuordnung
- Nachteile: Dokumentationsaufwand, rigide ohne gutes Tailoring
Spiralmodell
- Vorteile: aktives Risikomanagement, frühe Prototypen
- Nachteile: höherer Steuerungsbedarf, schwerer planbar für Fixpreis
Typische Prüfungsfragen (mit Kurzantwort)
- Wasserfall vs. V‑Modell XT? V koppelt Spezifikation an Tests + fordert Tailoring.
- Wie liest man das V? Links spezifizieren, rechts verifizieren/validieren (Teststufen).
- Wann Spiralmodell? Bei hoher Unsicherheit/Technologierisiko/vielen Schnittstellen.
- Warum Tailoring? Anpassung an Kontext + Audit-/Prüffähigkeit.
Lernstrategie
- V aus dem Kopf zeichnen und Teststufen zuordnen.
- Für jeden Modelltyp 2 passende Einsatzfälle notieren.
- Kurze Begründung (Regulatorik/Änderungsrate/Risiko) üben.