Vorgehensmodelle und -methoden auswählen und einsetzen
Dieser Beitrag ist eine Begriffserklärung zur Auswahl von Vorgehensmodellen – inklusive Prüfungsfragen, Kernkomponenten und Tags.
In a Nutshell
Die Auswahl des Vorgehensmodells richtet sich nach Kontextfaktoren wie Risiko, Regulierung, Team und Änderungsdynamik. Danach werden passende Methoden und Artefakte kombiniert, tailored und über Metriken gesteuert.
Kompakte Fachbeschreibung
Vorgehensmodelle strukturieren Projekte in Phasen/Iterationen und definieren Artefakte.
- Klassisch (Wasserfall, V‑Modell XT): Planbarkeit, formale Nachweise
- Agil (Scrum, Kanban): kurze Feedbackzyklen
- Hybrid: kombiniert Governance (z.B. Stage Gates) mit iterativer Lieferung
Auswahl erfolgt kriteriumsgetrieben:
- Kritikalität / Risiko
- Compliance/Regulatorik
- Änderungsrate
- Lieferdruck
- Teamreife / Verteilung
- Vertragstyp
Wichtig: Tailoring dokumentieren (was ist Pflicht, was entfällt, warum) + Metriken (Lead Time, Defektdichte, Velocity, CFD) sinnvoll einsetzen.
Prüfungsrelevante Stichpunkte
- Kontextanalyse anhand Kriterien (IHK). Vor der Auswahl eines Vorgehensmodells müssen projektspezifische Faktoren wie Risiko, Regulatorik, Änderungsrate, Lieferdruck, Teamreife und Vertragstyp analysiert werden. Diese Analyse ist prüfungsrelevant, weil sie die Begründung für die gewählte Vorgehensweise liefert.
- Klassisch vs agil vs hybrid erklären und begründen. Klassische Modelle bieten Planbarkeit und formale Nachweise, agile Modelle kurze Feedbackzyklen. Hybride Modelle kombinieren beides und werden oft gewählt, wenn sowohl Governance als auch Flexibilität gefordert sind.
- Artefakte/Checklisten definieren (DoR/DoD, Abnahme). Artefakte wie Definition of Ready und Definition of Done definieren Qualitäts- und Fertigstellungskriterien. Abnahmeprotokolle dokumentieren, dass Ergebnisse freigegeben wurden.
- Rollen sauber benennen (PO, SM, Projektleitung, QM). In hybriden Projekten müssen Rollen klar definiert sein. Der Product Owner verantwortet Anforderungen, der Scrum Master den Prozess, die Projektleitung die Gesamtkoordination und das QM die Qualitätssicherung.
- Metriken (Flow + Qualität) festlegen. Metriken wie Lead Time, Cycle Time, Velocity, Defektdichte und Cumulative Flow Diagram helfen, den Fortschritt und die Qualität zu messen. Sie sind wichtig für datenbasierte Steuerung.
- Risiken managen (Prototypen/Spikes, Reviews). Risiken werden durch Prototypen, Spikes, Reviews und frühe Tests adressiert. Das Risikomanagement muss im Vorgehensmodell integriert sein.
- Dokumentationspflicht (Tailoring Log, Abnahmen, Traceability). Tailoring bedeutet, dass Entscheidungen zur Anpassung des Modells dokumentiert werden müssen. Abnahmen und Traceability stellen Nachweisbarkeit und Transparenz sicher.
Kernkomponenten
- Kontextanalyse + Kriteriengewichtung – Die Kontextanalyse erfasst projektspezifische Einflussfaktoren. Kriterien wie Risiko, Regulatorik und Änderungsrate werden gewichtet, um eine nachvollziehbare Auswahl des Vorgehensmodells zu ermöglichen.
- Prozessarchitektur (Phasen/Sprints/Meilensteine) – Die Prozessarchitektur definiert, wie das Projekt strukturiert wird. Hybride Modelle nutzen beispielsweise Stage Gates für Entscheidungen und Sprints für die iterative Umsetzung.
- Rollenmodell + Eskalation – Das Rollenmodell legt Verantwortlichkeiten fest. Klar definierte Eskalationswege sorgen dafür, dass Probleme schnell an die richtige Stelle geleitet werden.
- Artefakte + DoR/DoD – Artefakte wie Product Backlog, Sprint Backlog und Inkremente dokumentieren Arbeitsergebnisse. Definition of Ready und Definition of Done sichern Qualität und Verständlichkeit.
- Planungsmethoden (Roadmap/Release/Sprint) – Planungsmethoden strukturieren die Umsetzung. Roadmaps zeigen den langfristigen Kurs, Releases markieren Liefertermine und Sprints definieren kurze Arbeitspakete.
- QS (Reviews, TDD, CI/CD, Teststrategie) – Qualitätssicherung umfasst Reviews, Test-Driven Development, Continuous Integration/Continuous Delivery und eine definierte Teststrategie. Sie reduziert Fehler und erhöht die Lieferqualität.
- Risikomanagement – Risikomanagement identifiziert, bewertet und steuert Risiken. Prototypen, Spikes und frühe Reviews helfen, Risiken zu reduzieren, bevor sie teuer werden.
- Tailoring-Leitfaden – Der Tailoring-Leitfaden dokumentiert, welche Teile des Vorgehensmodells angepasst oder entfallen und warum. Er stellt sicher, dass alle Beteiligten die Entscheidungen nachvollziehen können.
- Metriken + Reporting – Metriken wie Lead Time, Velocity, Defektdichte und Cumulative Flow Diagram liefern Daten für die Steuerung. Reporting kommuniziert den Stand regelmäßig an Stakeholder.
- Compliance/Security – Compliance sichert, dass regulatorische und vertragliche Anforderungen erfüllt werden. Security betrachtet den Schutz von Daten und Systemen über den gesamten Prozess.
Praxisbeispiel (Entscheidungsmatrix)
Webportal (Regulatorik + Integrationsrisiko + Wunsch nach frühen Inkrementen)
Kriterien (Gewicht):
- Regulatorik 30
- Änderungsrate 20
- Integrationsrisiko 20
- Lieferdruck 15
- Teamreife 15
Bewertung 1..5:
- Wasserfall: 5/2/2/3/3
- Scrum: 3/5/4/4/4
- V-Modell XT:5/2/3/3/3
- Hybrid: 5/4/4/4/4 -> höchste Punktzahl
Hybrid-Tailoring:
- Stage Gates (Anforderungsfreigabe, Architekturfreigabe, Go-Live)
- Umsetzung in 2-wöchigen Sprints
- Pflichtartefakte: Risiko-Register, ADRs, Testprotokolle, Abnahme
Vorteile und Nachteile
Vorteile
- Entscheidung nachvollziehbar (Matrix)
- Risiko/Compliance sichtbar adressiert
- Feedbackzyklen verbessern Qualität
Nachteile
- Bewertung kann subjektiv sein
- Hybrid erfordert Erfahrung in Governance + Agilität
- Metriken können Fehlanreize setzen
Typische Prüfungsfragen (mit Kurzantwort)
- Welche Kriterien helfen bei der Auswahl? Risiko, Regulatorik, Änderungsrate, Team, Lieferdruck, Vertrag.
- Was gehört in ein Tailoring-Dokument? Anpassungen/Entfall mit Begründung, Pflichtnachweise, Rollen, Reviews, Metriken.
- Wie verbindet man V‑Modell XT und Scrum? Gates/Nachweise aus V, Lieferung in Sprints mit Reviews.
Lernstrategie
- 2 Projektkontexte vergleichen und Tailoring skizzieren.
- Entscheidungsmatrix mit 5 Kriterien rechnen.
- Kurzbegründung (3 Sätze) trainieren.